Das Denken Avicennas war für
die Gefolgsleute des heiligen
Augustinus, die im
Neuplatonismus die Grundlage
für eine neue christliche
Philosophie entdeckt hatten,
höchst attraktiv. Selbst die
großen Philosophen des
13.Jahrhunderts, wie Wilhelm
von Auvergne, Bonaventura,
Robert Grosseteste und Roger
Bacon, die den Augustinismus
vertraten, beeinflusste er.
Auf seine Idee trifft man
sogar bei Philosophen, wie
Albertus Magnus, Thomas von
Aquin und Johannes Duns Scotus.
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1071 Der Seldschukische (Selçuklu
Hümdarlığı) Sultan Alparslan
besiegt beim heutigen
Mantzikert den byzantinischen
Kaiser Diogenes Romanos IV.
Dies öffnet die byzantinischen
Grenzen für turkmenische
Stämme, die nun aus der
nordiranischen Provinz Horasan
nach Anatolien strömen und
alevitische Gedankengut
mitbringen.
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1240 Revolte des
Volkpredigers Baba Ishak in
Anatolien. Dieser Aufstand ist
- mit einer Reihe weiterer -
für das alevitische
Selbstverständnis von
Bedeutung, da er sich gegen
die staatliche Obrigkeit
richtet und die politischen
und sozialen Missstände
anprangert, wurde der
alevitische Glaube doch zu
keiner Zeit von staatlich
autorisierten Stellen
anerkannt.
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1252 Schah Safiyettin (Safi
ad-Din) kommt auf die Welt. Er
gründete den
Ardabil-Derwischorden (Südufer
des Kaspischen Meeres), der
über Jahrhunderte hinweg
großen Einfluss auf die
anatolischen Aleviten ausübte.
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1281 Sarı Saltuk wird von
Hacı Bektas-i Veli beauftragt,
das Alevitentum nach Europa zu
tragen, worauf dieser dann in
den Balkan geht. Heute leben
viele Bektaschiten in den
Balkenländern.
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1295 Haci Bektas Veli
stirbt. Er ist der
halblegendäre geistige Führer
und Heiliger der Aleviten. In
dem nach ihm benannten Orden,
in dessen Räumlichkeiten heute
ein Museum eingerichtet ist,
welches jedoch noch immer als
Wallfahrtsstätte fungiert,
finden an 16.- 18. August
eines jeden Jahres
Feierlichkeiten zu seiner
Ehren statt.
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1301 Scheich Safiyettin (Safi
ad-Din, gest.1334) gründet in
Ardabil den nach ihm benannten
Safaviden-Orden. Einer seiner
Nachfahren, Ismail, soll
später das Reich der Safaviden
errichten.
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1320/21 Yunus Emre, einer
der größten türkischen Dichter
stirbt. Zentrales Thema seiner
Gedichte ist die sufische
Philosophie, die auf den
Neuplatonismus zurückgeht.
Nachdem er - wie er in seinen
Gedichten angibt - „40 Jahre
lang" im Dienst eines
Mystikers namens Taptuk Emre
gestanden hat, wird er von
seinem Dienst entbunden und
führt fortan das Leben eines
Derwischs. Yunus Emre zählt zu
den Sieben Heiligen Dichtern
der Aleviten.
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1397 Kaygusuz Abdal, ein
Anhänger der bektaschiten
Lehre, zieht nach seinem
Dienst bei seinem Meister
Abdal Musa nach Ägypten, um
dort ein Kloster zu gründen,
welches in kurze Zeit zur
Heimstätte von Not leidenden
und kranken Menschen wird.
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1398 Tod des Begründers der
Hurufi-Lehre Fazlullah
Asterabadis. Die Anhänger
dieser Lehre sehen in den
einzelnen Buchstaben des
arabischen Alphabets (huruf
ist der Plural des arabischen
Wortes harf „Buchstabe") - und
in den menschlichen
Gesichtszügen - eine mystische
Bedeutung verborgen, die es zu
entdecken gilt. Die Ideen
Fazlullahs wurden als
ketzerisch angesehen und
führten zu seiner Hinrichtung.
Seine Lehre jedoch hat einen
nachhaltigen Eindruck bei
einigen türkischen Dichtern
hinterlassen. Fazlullah
Asterabadi hinterlässt ein
berühmtes Werk, die „Cavidanname".
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1417 Seyyid Nesimi, enger
Vertraute von Fazlullah Hurufi
und bekannteste Huruf-Dichter,
wird in Aleppo (Syrien) zu
Tode geschunden, da seine
sufischen ansichten den Regeln
der Scharia widersprechen.
Seyyid Nesimi trug mit seinen
Gedichten, die er in
Aserbaidschanisch-Türkisch
verfasste, in erheblichem Maße
zur Verbreitung des
hurufischen Glaubens bei. Er
gehört zu den SiebenHeiligen
Dichtern bei den Aleviten.
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1420 Bewegung des Scheich
Bedreddin. Gegen die
Unterdrückung durch den
offiziellen Staats-Sunnitentum
und die Ausbeutung durch die
Grundherren finden sich
Mitglieder verschiedenster
Sufi-Bruderschaften sowie
Bauern aus allen Teilen der
damaligen Gesellschaft, die im
Gebiet der heutigen
Provinzstadt Aydın und
Umgebung lebten, unter der
Führung Scheich Bedreddins,
eines ehemaligen orthodoxen
Theologen, zusammen und
erheben sich gegen die
Osmanen. Die pantheistische
Beredsamkeit Scheich
Bedreddins beseelt die Massen.
Börklüce Mustafa und Torlak
Kemal, enge Vertraute
Bedreddins, schließen sich ihm
an. Eine ihrer
Hauptforderungen ist die
Einführung von Gemeineigentum,
um der immer größer werdenden
Armut Herr zu werden. Die
Aufständischen werden von der
vereinten rumelisch-
anatolischen Heeresmacht der
Osmanen bei Karaburun besiegt.
Ihre Anführer werden
nacheinander gefangen genommen
und schließlich hingerichtet.
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1428 Balım Sultan wird
geboren. Er organisiert durch
eine „Erkanname" (Schrift zu
geistliche Trägerinternen
Angelegenheiten) das
Bektaschitentum neu.
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1495 Fuzuli, einer der
Sieben Heiligen Dichter bei
den Aleviten wird in Hille
geboren.
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1499 Sultan Beyazıt II.
tritt im Einvernehmen mit
Balım Sultan, dem Nachfolger
Hadschi Bektasch Velis als
Ordensvorsteher, zum
Bektaschitentum über.
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1501 Der erst 14-jährige
Safavide Schah Ismail wird zum
Schah von Persien gekrönt.
Schon am Vorabend der
Thronbesteigung lässt er das
zwölferschiitische
Glaubensbekenntnis als
Staatsreligion ausrufen.
Ismail wir von den Aleviten u.
a. als Dichter verehrt, der
unter dem Pseudonym Hatayi in
aserbaidschanisch-türkischer
Sprache dichtete.
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1511 Beginn des Aufstandes
von Schah Kulu.
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1514 Schlacht zwischen
Osmanen und Safaviden bei
Tschaldiran. Schah Ismail
zieht sich geschlagen zurück.
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1519 Yemini schreibt die
berühmte „Faziletname".
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1590 Der Dichter Pir Sultan
Abdal wird auf Befehl von
Hızır Pa.a, des damaligen
Statthalters von Sivas,
hingerichtet. Durch seine
Gedichte, die er in der
Sprache des (einfachen) Volkes
verfasste, genießt Pir Sultan
Abdal, der ebenfalls zu den
Sieben Heiligen Dichtern
zählt, heute noch großes
Ansehen bei den Aleviten.
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1893 Der alevitische Dichter
und Sänger Aşık Veysel wird in
Sivas geboren. Trotz
Erblindung seit seinem
7.Lebensjahr hat Aşık Veysel
die Liebe zu Gott und Natur
hervorragend beschrieben. Er
stirbt im Jahr 1973 und
hinterlässt zahlreiche
Gedichte und Lieder, die in
der Türkei Anerkennung
breitester Kreise gefunden
haben.
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1919 Atatürk besucht das
Haus des Pir Haci Bektasi Veli
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1924 Aufhebung des Kalifats
und Einrichtung des Amtes für
religiöse Angelegenheiten. Die
Aleviten werden von dieser
Institution nicht
berücksichtigt.
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1925 Schließung von
religiösen Orden und Klöstern.
Als Folge setzten die
Aktivitäten des
Bektaschi-Ordens aus.
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1928 Der Gebetsruf vom
Minarett durch den Muezzin
wird auf Türkisch abgehalten.
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1950 Aufhebung des Verbots,
den Gebetsruf auf Arabisch zu
halten.
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1957 Buyruk wird im
türkischen Alphabet gedruckt.
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1963 Gründung des Hadschi
Bektasch Veli-Vereins. Im
großen Kino von Ankara wird
zum ersten Mal ein für alle
offener Cem abgehalten.
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1964 Das Kloster von Hadschi
Bektasch-i Veli wird als
Museum wiedereröffnet.
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1967 Gründung der
Einheitspartei der Türkei (Türkiye
Birlik Partisi, TBP). Diese
Partei gilt als die Partei der
Aleviten und und wird in der
Folgezeit (1971) aufgelöst.
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1976 Ausschreitungen gegen
die alevitische Bevölkerung in
Malatya, die noch von weiteren
in den Jahren 1978 (Kahramanmaraş),
1979 (Sivas) und 1980 (Çorum)
gefolgt werden sollten.
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1986 Gründung der ersten
alevitischen Vereine in
Europa.
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1993 Beim Massaker von Sivas
sterben während der
Veranstaltung „Pir Sultan
Abdal" am 2. Juli 1993,
37Menschen, überwiegend
alevitische Künstler.
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1995 Ausschreitungen gegen
die alevitische Bevölkerung im
Istanbuler Vorort
Gaziosmanpaşa.