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ALEVITENTUM - Kapitel 1

 
 

 

1)     DER PROPHET MOHAMMED (s.a.v.)

     1.1)       Wer war Mohammed?

     1.2)       Wie wurde der Prophet Mohammed zum Propheten berufen?

     1.3)       Was ist ein Prophet?

     1.4)       Wird es nach Mohammed noch andere Propheten geben?

     1.5)       Hat Mohammed Wunder vollbracht?

     1.6)       Was lehrte der Prophet Mohammed?

     1.7)       Wie reagierte die Umwelt des Propheten Mohammed auf die von ihm verkündete Botschaft?

     1.8)       Warum musste der Prophet Mohammed seine Heimat verlassen?

     1.9)       Worin unterschied sich das Leben Mohammeds in Mekka von dem in Medina?

     1.10)     Weshalb führte der Prophet Mohammed Krieg?

     1.11)     Ist der Prophet Mohammed gestorben?

     1.12)     Warum war der Prophet Mohammed mit mehreren Frauen verheiratet?

     1.13)     Was meinte Mohammed zur Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft?

     1.14)     Wie verhielt sich Mohammed gegenüber Angehörigen anderer Religionen?

     1.15)     Gibt es Aussagen von Mohammed über die Bewahrung der Schöpfung?

     1.16)     Wie sicher sind das Leben und die Aussprüche Mohammeds überliefert?

     1.17)     Hat Mohammed die Lehre der Christen und Juden übernommen und umformuliert?

     1.18)     Was hat der Prophet Mohammed über Jesus gesagt?

     1.19)     Gibt es in Heiligen Schriften anderer Religionen Hinweise auf Mohammed?

 

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 1) DER PROPHET MOHAMMED (s.a.v.)[1]   é Zurück

Gerade die Person Mohammeds wurde in der langjährigen Geschichte der Missverständnisse zwischen Orient (=Morgenland, Länder im Osten) und Okzident (=Abendland, Westliche Länder) zu einem Punkt, der wesentliche, tiefe Vorurteile gegenüber dem Islam und den Muslimen begründete.

Der Koran sieht Mohammed, den Gesandten Gottes, als eine Barmherzigkeit für alle Welten, ein Vorbild in allen Lebenslagen, als jemanden, der sich um das Schicksal der Menschheit sorgte und als einen Menschen, der in seinem Leben die Ergebenheit in Gott vorlebte und dazu aufrief. Im Gegensatz dazu wurde er im Abendland teilweise als falscher Prophet oder als Konkurrent zum Propheten Jesus (Friede sei mit ihm) dargestellt.

"Die vom letzten Propheten Mohammed verkündete Religion Islam stellt eine Fortführung der Abrahamitischen Gotteslehre dar und ist auch als Fortsetzung bzw. Abschluss der Lehren von Moses, David und Jesus mit ihren jeweiligen heiligen Schriften –  der Thora, den Psalmen und der Bibel –  zu verstehen [Definition von TAAKM Team]".

Islam (auf Arabisch heißt Islam etwa „Hingabe [zu Gott]“) ist die Lebensweise, die alle Gesandten und Propheten Gottes samt Jesus gepredigt und gelebt haben und somit die ewige Urreligion. Aus diesem Grund ist Mohammed der Verkünder des „Islam“ in seiner endgültigen Form und er ist der abschließende Gesandte Allahs.

Muslime lieben Mohammed, weil er der Gesandte Gottes ist, folgen ihm, weil er ein Leben in völliger Gottergebenheit verbracht hat und verehren ihn, weil er der auserwählte Prophet ist.

1.1) Wer war Mohammed?   é Zurück

Mohammed wurde um das Jahr 570 n.Chr. in der Stadt Mekka in Arabien als Mitglied des angesehenen Stammes der Quraisch (Kureyş – Haşimiler kolu) geboren. Seine Abstammung geht auf den Propheten Ismael, den Sohn Abrahams, zurück. Die Quraisch hatten in jener Zeit auf der Arabischen Halbinsel die einflussreichste Position unter den ArabernInnen, weil in Mekka das Heiligtum der Kaaba, das Abraham mit seinem Sohn errichtet hatte, stand.

In vorislamischer Zeit war die Kaaba ein Wallfahrtsort für die damals mehrheitlich polytheistischen[2] Araber. Mohammeds Vater starb schon vor dessen Geburt und seine Mutter, als er sechs Jahre alt war. Er wurde, wie in jenen Tagen häufig, von einer Amme (Süt Anne) aufgezogen, später dann von seinem Großvater und danach von seinem Onkel aufgenommen. Sie waren Kaufleute und so wurde auch Mohammed Kaufmann. Zwar besuchte er keine Schule, aber durch die praktische Ausbildung, die mit zahlreichen Reisen verbunden war, erwarb er sich umfassende Kenntnisse. Von seiner Jugend an war er als rechtschaffener Mensch bekannt, was ihm unter seinen Landsleuten den Beinamen „al-Amin (der Vertrauenswürdige)“ einbrachte.

1.2) Wie wurde der Prophet Mohammed zum Propheten berufen?   é Zurück

Schon Jahre vor der ersten Offenbarung pflegte Mohammed sich zur Meditation auf einen Berg in der Nähe von Mekka zurückzuziehen. Er spürte, dass die Glaubensüberzeugungen, Riten[3] und Traditionen[4] seines Stammes, die auf Vielgötterei gründeten, die Menschen in die Irre führten und von ihrer Bestimmung als Geschöpfe Gottes entfernten. In einer Höhle dachte er über all dieses nach, ohne aber eine Lösung und Perspektive zu finden.

Im Jahre 610 n.Chr. als er sich wieder einmal alleine in der Höhle zum Nachsinnen und Gottgedenken zurückgezogen hatte, erschien ihm der Engel Gabriel (Cebrail s.a.v.) und verkündete ihm, dass er von dem einen einzigen Gott zum Propheten auserwählt worden sei und übermittelte ihm die ersten Offenbarungen des Korans.

  

Die Stimme aus dem Berg des Lichts :

Unser Prophet war vierzig Jahre alt geworden. Schon seit einigen Jahren hatte er sich zur Gewohnheit gemacht,    sich (im Monat Ramadan) wiederholt in die Einsamkeit zurückzuziehen. Er begab sich zu einer Höhle in der Nähe  von Mekka. Dorthin ging er, um zu beten und nachzudenken. Diese Höhle befand sich auf dem Berg Hira.

Er wollte auch diesmal die Tage  auf diese Weise verbringen. Mit dem Proviant[5], den Hz.Khadidscha (Hatice) für ihn vorbereitet hatte, machte er sich auf den Weg in Richtung Hira. Überall war es still und ruhig. Es war, als wenn alle Geschöpfe zusahen, wie er vorwärtskam. Voller Gedanken stieg er weiter, bis er bei der Höhle angekommen war. Hier wollte er nun nur noch beten, Bittgebete sprechen und an seinen Schöpfer denken. Die ersten sechzehn Tage des Ramadan vergingen so. Am siebzehnten Tag, es war die Nacht auf den Montag, geschah das Außergewöhnliche. Den Berg Hira umgab eine große Ruhe. Die Zeit der Morgendämmerung war nah.

Die Nachtigall[6] sang wundervoll. Die Rosen verbreiteten ihren schönsten Geruch. Alle Geschöpfe beteten in ihrer Sprache zu Gott. Der erhebende Augenblick war gekommen. Der Engel der göttlichen Eingebung namens Gabriel erschien in strahlendem Licht. Unser Gesandter war wieder im Gebet versunken. Gabriel (Cebrail) sprach ihn an mit einer starken aber angenehmen Stimme: „Lies!". Unser Prophet bekommt Angst. Er war bestürzt. Dies war eine Stimme, die er bisher noch nie gehört und eine Erscheinung, die er bisher noch nie gesehen hatte.                    Sein Herz sträubte sich. „Ich kann nicht lesen", antwortete er.

Gabriel sagte nochmals: „Lies!" Mohammed hatte sein Befremden immer noch nicht überwunden.                         Er sagte erneut: „Ich kann nicht lesen." Da forderte ihn Gabriel ein weiteres Mal auf: „Lies!". Jetzt sagte unser Prophet: „Sag, was soll ich denn lesen, obwohl ich nicht lesen kann?" Daraufhin sprach Gabriel: „Lies im Namen deines Herrn, des Schöpfers, der den Menschen erschuf aus geronnenem Blut. Lies! und der edelmütigste ist dein Herr. Er, der das Schreibrohr zu brauchen lehrte, der die Menschen lehrte, was sie nicht wußten."            Mohammed war tief berührt.

Er wiederholte die Worte, und es war ihm als wären ihm die Koranverse ins Herz geschrieben. Gabriel, dessen Aufgabe fürs erste vollendet war, entfernte sich. Auf diese Art und Weise wurde Mohammed mit der Gesandtschaft Gottes beauftragt. Das war eine überaus große Verantwortung. Nach diesem Erlebnis konnte unser Gesandter nicht länger bei der Höhle bleiben. Voller Aufregung und Verwunderung machte er sich auf dem Weg nach Hause.

1.3) Was ist ein Prophet?   é Zurück

Zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die zu besonderen Einsichten gelangten, seltene Inspirationen[7] erfuhren oder zuvor unbekannte Naturgesetze entdeckten. Sie alle zeigten, dass es eine Art von Erkenntnis gibt, die sich der Reichweite unserer Sinne und der wissenschaftlichen Forschung entzieht. Philosophie[8] und Wissenschaft können darüber nur Vermutungen anstellen. Um diesbezüglich Gewissheit zu erlangen, ist der Mensch abhängig von Gott, der ihm diese Art von Wissen übermitteln kann.

Gott erwählt zu diesem Zweck Menschen und beruft sie zu Seinen Propheten oder Gesandten. Ihnen offenbart Er die Wahrheit und das Wissen, damit diese sie den Menschen weitergeben können. Ein Prophet hat zudem die Aufgabe, dass ihm Geoffenbarte zu erläutern, die Menschen anzuleiten und ihnen ein gottergebenes Leben in allen Lebensbereichen vorzuleben, so dass sie ihm auch als Beispiel folgen können.

Unter den zuvor genannten Aspekten, nämlich Gottes Botschaft zu predigen und vorzuleben, unterscheiden sich die Propheten nicht voneinander. So ist es nicht verwunderlich dass angefangen vom ersten Menschen und Propheten Adam, bis zum abschließenden Propheten Mohammed alle die Gottergebenheit verkündeten.

Es wird überliefert dass Allah mehr als 124.000 bzw. 144.000 Propheten berief und jedes Volk in der Geschichte mit einem Gottgesandten gesegnet wurde. Wir kennen nur einen Teil dieser Propheten namentlich, da sie im Koran stehen. Unter ihnen befinden sich die Propheten Noah, Abraham, David, Moses, Johannes der Täufer,      die auch in der Bibel erwähnt werden und zudem Jesus.

1.4) Wird es nach Mohammed noch andere Propheten geben?   é Zurück

Mohammed ist der abschließende der Gesandten Gottes. Allah sandte in der Geschichte zu jedem Volk Propheten für dessen Rechtleitung. Obwohl sie alle ihre Berufung von einer Quelle erhalten hatten und die Gottergebenheit predigten und vorlebten, hatten diese Gesandten eine zeitlich und örtlich begrenzte Aufgabe zu erfüllen.           Die Entwicklung der Zivilisationen der Menschheit vor der Zeit Mohammeds war nicht weit genug fortgeschritten,   als dass ein Gesandter für alle Menschen geschickt werden konnte.

Der Prophet Mohammed wurde aber für die Menschen seiner Zeit und für die Zeit danach gesandt.                  Sein Prophetentum besitzt somit einen universalen und zeitlosen Charakter.

1.5) Hat Mohammed Wunder vollbracht?   é Zurück

Das größte Wunder, das Mohammed zuteil wurde, ist der Koran. Da dieses Wunder den Menschen nicht nur zu Lebzeiten Mohammeds zugänglich war, sondern sich auch heute jeder mit dem Koran auseinandersetzen kann, spricht diese Tatsache für die Größe und Wichtigkeit dieses Wunders.

Neben diesem größten Wunder gibt es andere, die darauf hinweisen, dass Mohammed ein von Gott gesandter Mensch war: Er wurde von Gott eines Nachts von Mekka nach Jerusalem geführt und stieg vom Felsendom in den Himmel zu Gott empor. Gott erlaubte es ihm, in nur 23 Jahren seine Botschaft zu verkünden, eine Gemeinschaft aufzubauen und unter sehr ungünstigen Bedingungen einen Stadtstaat in Medina zu begründen.

In den Überlieferungen werden noch weitere Wunder, wie die Vermehrung von Speisen u.ä. übermittelt. Wunder sind aber immer von Gott, die er Seinen Propheten zu vollbringen erlaubt. Sie deuten darauf hin, dass die betreffende Person von Gott gestützt wird. Die Botschaft, die die Propheten an die Menschen überbringen,          ist aber wesentlicher als die Wunder, die sie vollbringen.

1.6) Was lehrte der Prophet Mohammed?   é Zurück

Obwohl die Bewohner der Stadt Mekka, in der Mohammed lebte, eine Gottesvorstellung besaßen, glaubten sie an die Mittlerrolle von vielen verschiedenen Götzen[9]. Diese sollten sie Gott näher bringen und sie sprachen ihnen besondere Kräfte und Eigenschaften zu. Mohammed erhielt von Gott den Auftrag, die Einheit und Einzigkeit Allahs zu verkünden. Er klärte seine Landsleute darüber auf, dass die Götzen und Statuen, die sie anzubeten pflegten, keine Macht besaßen.

Mohammed versuchte seiner Umgebung klar zu machen, dass nur der eine Einzige Gott die Menschen erschaffen hat, sie versorgt und ihre Bitten erhört. Als zweiten wichtigen Punkt der Botschaft Gottes erwähnte er, dass Allah immer wieder Gesandte unter den Menschen erwählt, die ihnen die Botschaft Gottes übermitteln.                      Die Propheten sind gleichzeitig damit beauftragt, mit ihrer eigenen Lebensweise ein mustergültiges Beispiel von Gottergebenheit abzugeben.

Als einen wesentlichen Punkt, zu dem die Menschen um ihn herum keinen Bezug hatten, stellte Mohammed in seiner Verkündigung das Leben nach dem Tod dar. Er erläuterte, dass das irdische Leben eine Prüfung bedeutet. Er wies darauf hin, dass die Menschen nach ihrem Tod am Jüngsten Tag wiedererweckt und gemäss ihrer Lebensweise im Diesseits belohnt oder bestraft werden würden.

1.7) Wie reagierte die Umwelt des Propheten Mohammed auf die von ihm verkündete Botschaft?                                                   é Zurück

Die führenden Personen Mekkas betrachteten seine Botschaft als eine Bedrohung für ihre Gesellschaftsordnung. Aus Mohammeds Verkündigung würde nach ihrer Ansicht hauptsächlich die Beseitigung ihrer Götzen und Statuen folgen. Aufgrund der Pilger aus ganz Arabien sicherten aber gerade diese den Mekkanern Einkommen, Ansehen und Einfluss. Zudem fürchteten sie, dass der Verrat an der Religion ihrer Väter üble Folgen haben könnte und dass Sklaven[10] und Unterprivilegierte ihre Rechte einfordern würden.

Gerade Menschen aus den unteren Schichten nahmen zunächst den verkündeten Glauben an. Nur die wenigen seiner Anhänger, die angesehener Familie entstammten, genossen Sicherheit; die übrigen wurden verfolgt, manche sogar ermordet. Die Lage für die Anhänger Mohammeds wurde schließlich so kritisch, dass der Prophet sie anwies, nach Abessinien auszuwandern, wo ein christlicher Herrscher regierte.

Trotz Drangsal und Verfolgung nahm die Zahl derer, die sich ihm anschlossen, immer weiter zu. Um diese Entwicklung zu stoppen, versuchten die Führer Mekkas, Mohammed zu einem Kompromiss[11] zu bewegen: Sie boten ihm die Übernahme des Königtums und große Reichtümer an. Dafür sollten sie abwechselnd Allah und ihren Götzen huldigen[12]. Mohammed lehnte dies rigoros ab.

1.8) Warum musste der Prophet Mohammed seine Heimat verlassen?   é Zurück

In Mekka wuchs der Druck auf die Muslime unaufhörlich und der Prophet Mohammed suchte nach Möglichkeiten der freien und ungestörten Verkündigung der Lehre und der täglichen Umsetzung dieser Botschaft im Alltag. Während der Pilgersaison im Jahre 621 traf Mohammed eine Gruppe von Leuten aus Yathrib (der späteren Stadt Medina), die dem neuen Glauben gegenüber sehr aufgeschlossen waren.

Im darauf folgenden Jahr kamen die Leute aus Yathrib mit einer größeren Delegation nach Mekka und luden Mohammed in ihre Stadt ein und versprachen ihm, ihn zu unterstützen. So gab der Prophet den Muslimen die Anweisung, nach Medina auszuwandern, wo sie sicher sein würden und ihren Glauben frei ausüben könnten. Dieses Ereignis (Hidschra- Hicret) markiert den Beginn der islamischen Zeitrechnung.

Inzwischen fassten die Mekkaner den Entschluss, Mohammed endgültig loszuwerden und ihn zu töten. Ihr Plan ging nicht auf. Kurz zuvor verließ der Prophet Mohammed als einer der letzten, die Stadt. Obwohl die Mekkaner seine Spur aufnahmen, gelang es ihnen nicht, ihn ausfindig zu machen, und er konnte Medina sicher erreichen.

1.9) Worin unterschied sich das Leben Mohammeds in Mekka von dem in Medina?   é Zurück

In Medina entwickelte sich eine gut organisierte Gemeinschaft mit verschiedenen Institutionen wie Gebetsräume, Markt und Handelswesen sowie einer eigenen Gerichtsbarkeit und die Muslime konnten sich in dieser Situation, frei von individueller Verfolgung, auf ein Leben nach der islamischen Lehre konzentrieren. Die hauptsächlich aus Muslimen und Juden bestehende Einwohnerschaft Medinas akzeptierte die Führungsrolle Mohammeds. Vor allem fand er die völlige Unterstützung der beiden wichtigsten Stämme Medinas, nachdem diese den Islam angenommen hatten. Bezüglich der Juden ging Mohammed davon aus, dass sie als Anhänger einer Offenbarungsreligion unvoreingenommen auf ihn reagieren und die neue Lehre verstehen würden.

Darüber hinaus gab es in Medina allerdings auch eine Gruppe von (einflussreichen) Leuten, die den Islam nur aus Opportunismus[13] annahmen. Mohammed schloss 623 n. Chr. mit den Vertretern der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen Medinas einen Gemeindevertrag, der im Wesentlichen darin bestand, dass die muslimischen und jüdischen Stämme zu gegenseitigem Schutz verpflichtet waren. Diese erste schriftlich fixierte Verfassung diente den Muslimen als Grundmodell für spätere Staatsstrukturen.

1.10) Weshalb führte der Prophet Mohammed Krieg?   é Zurück

Obwohl die Muslime wie anfangs als Individuen[14] nicht mehr verfolgt wurden, setzten die damals noch Götzen anbetenden Mekkaner doch alles daran, die neu entstandene Muslim-Gemeinde in Medina zu vernichten.

Das geschah teils in Form kriegerischer Überfälle, teils aber auch durch eine Isolationspolitik. Derart unter Druck geraten wollten die in Medina lebenden Muslime sich verteidigen und drängten den Propheten Mohammed, gegen die Mekkaner vorzugehen. Dieser ging jedoch solange nicht auf die Forderungen seiner Anhänger ein, bis Gott ihm eine Offenbarung sandte, die es ihnen erlaubte, sich gegen die Aggressoren zu wehren.

In der ersten Schlacht gewannen die Muslime wie durch ein Wunder gegen ein zahlenmäßiges und an Ausrüstung hoch überlegenes Heer der Mekkaner. In den nächsten Jahren folgten noch weitere Auseinandersetzungen.

Bei der Betrachtung dieser kriegerischen Konflikte, in die die Muslime verwickelt waren, ist leicht zu erkennen, dass die muslimische Gemeinschaft den Frieden und nicht den Krieg verfolgte. Der Prophet Mohammed ließ z.B. Kriegsgefangene frei, nachdem sie zehn Muslimen das Lesen und Schreiben beigebracht hatten. Mehr noch: er ging auf einen Friedensvertrag zu eigentlich kaum annehmbaren Bedingungen ein; außerdem erließ er nach der Einnahme Mekkas eine Generalamnestie[15] für seine Feinde.

Heute wie damals ist Krieg leider eine soziale Realität. Deshalb sind Normen und Regeln auch für Ausnahmesituationen wie die eines Krieges notwendig. Dass selbst unter solchen Umständen ethische Verhaltensweisen möglich und geboten sind, kommt z.B. in der Anweisung des Propheten Mohammed zum Ausdruck, keine Personen anzugreifen, die nicht aktiv am Krieg beteiligt sind. Er ging sogar so weit anzuordnen, dass Muslime auch im Krieg Natur und Umwelt zu schonen haben.

1.11) Ist der Prophet Mohammed gestorben?   é Zurück

Der Prophet Mohammed war, wie alle anderen Propheten vor ihm, ein menschliches Wesen. Da er niemals eine göttliche Wesensart für sich beanspruchte und sogar immer darauf hinwies, dass ihm so etwas nicht zugeschrieben werden sollte, lebte und starb er wie ein Mensch.

Der Unterschied zwischen ihm und anderen Menschen bestand „nur“ darin, dass Gott ihm den Koran offenbarte und Gott seine Verhaltensweisen vor Verfehlungen beschützte. Der Prophet Mohammed wird deshalb von den Muslimen geehrt und geliebt und als nachzueiferndes Vorbild angesehen, aber in keiner Weise angebetet.

1.12) Warum war der Prophet Mohammed mit mehreren Frauen verheiratet?   é Zurück

Als 25-jähriger heiratete der Prophet Mohammed die vierzigjährige Khadidscha (Hatice), eine angesehene, verwitwete Kauffrau. Bis zu ihrem Tode führten sie eine glückliche und harmonische Ehe, aus der sechs Kinder hervorgingen. Nach dem Tode Khadidschas ging Muhammad mit mehreren Frauen eine Ehe ein. Dass der Prophet die Versorgung dieser verwitweten oder geschiedenen Frauen übernahm, und zwar einschließlich ihrer unmündigen Kinder, spielte eine wesentliche Rolle bei der Heirat.

Zudem bewirkte die Heirat des Propheten Mohammed mit manchen seiner Frauen, dass die Stämme, denen sie angehörten, der damaligen Sitte gemäß, eine engere Bindung an die Gemeinschaft der Muslime aufbauten. Für Muslime ist die mehrehe Mohammeds, genauso wie von manchen biblischen Propheten, von Gott erwünscht. Dass seine Frauen sämtlich mit dem Propheten Mohammed zufrieden waren und dass sie trotz zum Teil großer materieller Entbehrungen zu ihm standen und ihn unterstützten, wird als ein Hinweis auf die Prophetenschaft Mohammeds gedeutet.

1.13) Was meinte Mohammed zur Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft?   é Zurück

Die Stellung der Frau in der Stammesgesellschaft auf der Arabischen Halbinsel war gleich der einer Sklavin, wobei es hier nur wenige Ausnahmen gab. So wurde es nicht selten als eine Schande angesehen, wenn eine Frau ein Mädchen auf die Welt brachte. Um dieser Schande zu entgehen, wurden die neugeborenen Mädchen oftmals in die Wüste gebracht und dort bei lebendigem Leibe begraben.

Mit der Offenbarung des Korans und durch das gelebte Beispiel des Propheten Mohammed wurde ein Mädchen einem Jungen gleichwertig eingestuft. Der Prophet verurteilte Männer, die ihre Frauen schlecht behandelten, und zeigte durch sein eigenes Beispiel, wie man in der Ehe gerecht und liebevoll mit seiner Frau umgehen soll. Er betonte, dass die Frau vor Gott die gleiche Stellung hat wie der Mann und dass Frauen und Männer sich ergänzen.

1.14) Wie verhielt sich Mohammed gegenüber Angehörigen anderer Religionen?   é Zurück

Der Auftrag, den der Prophet Mohammed erhalten hatte, war gegenüber allen seinen Mitmenschen gleich, ob es sich nun um Juden, Christen oder Götzendiener handelte, nämlich die Übermittlung der Botschaft Gottes. Er sprach mit seinen Gesprächspartnern ihren Glaubensvorstellungen entsprechend über seinen Auftrag und rief sie dazu auf, sich dem Willen Gottes zu ergeben. Dabei zeigte er seinem Gegenüber großen Respekt und menschliche Nähe und ertrug auch persönliche Beleidigungen und Verfolgung mit Geduld.

Er lehrte seinen Anhängern, dass zu den Christen und Juden eine besondere Nähe besteht und dass die Menschen die freie Wahl haben, den Glauben an Gott zu bestätigen oder abzulehnen und dass Muslime ihre Mitmenschen mit Güte behandeln sollen. Er betonte zudem, dass eine gerechte Behandlung aller Menschen eine unabdingbare Voraussetzung für eine islamische Lebensweise sei.

1.15) Gibt es Aussagen von Mohammed über die Bewahrung der Schöpfung?   é Zurück

Der Koran erwähnt, dass der Prophet Mohammed als „eine Barmherzigkeit für alle Welten“, d.h. für die ganze Schöpfung, gesandt wurde. Es ist deswegen nicht verwunderlich, dass nicht nur Aussagen und Empfehlungen bezüglich der Menschen von ihm überliefert sind.

Er gab auch Anweisung und Ratschläge über die gute und milde Behandlung von Tieren und den behutsamen Umgang mit der Umwelt. Er erzählte Gleichnisse, die aufzeigten, dass, wer Tiere gut behandelt von Gott belohnt, und wer sie quält von ihrem Schöpfer dafür bestraft werden wird. Er lehrte seine Anhänger, Ressourcen wie Wasser nicht zu verschwenden und einen positiven Beitrag zur Umwelt zu leisten indem sie z.B. Bäume pflanzen sollten.

1.16) Wie sicher sind das Leben und die Aussprüche Mohammeds überliefert?   é Zurück

Schon zu Lebzeiten Mohammeds gab es bestimmte Personen, denen es erlaubt war Teile des Korans schriftlich festzuhalten. Daneben gab es manche Gefährten Mohammeds, die ihn stets begleiteten und sich seine Aussprüche merkten und sie dann anderen weitererzählten.

Bei der Weitergabe wurde genau darauf geachtet, dass die Aussagen wortgetreu übermittelt wurden, und man zählte bei der weiteren Überlieferung die ganze Kette aller Überlieferer auf. So wurde sichergestellt, dass der übermittelte Ausspruch des Propheten in seiner Echtheit überprüfbar blieb. Schon in der Mitte des 8.Jahrhunderts (ca. 100 Jahre nach dem Tode des Propheten), und auch später, wurden die Überlieferungen von muslimischen Gelehrten gesichtet, gesammelt und kategorisiert. Seit dieser Zeit gibt es viele schriftliche Zusammenstellungen der Überlieferungen des Propheten Mohammed.

1.17) Hat Mohammed die Lehre der Christen und Juden übernommen und umformuliert?  é Zurück

Die Behauptung, dass Mohammed durch den Kontakt mit Juden und Christen, den christlichen und jüdischen Glauben kennen gelernt habe und so seine „neue” Religion formulierte, ist meist in der Literatur christlicher Missionare[16] oder Orientalisten[17] zu finden. Diese Aussagen gründen nicht auf Fakten und finden in der Lebensbiographie des Propheten Muhammd keine Bestätigung.

Da Mohammed selbst unbelesen war, hätte er die Schriften der Christen und Juden überhaupt nicht studieren und somit auch nicht von ihnen abschreiben können. Desgleichen gibt sein Umfeld, das den Götzenkult praktizierte, keinen Anhaltspunkt dafür, dass er intensive Kontakte zu ihnen hatte. Auch die Tatsache, dass viele Juden und Christen nach einer Begegnung mit Muhammd den Islam annahmen, widerspricht dieser Theorie, weil diese als erste die Übernahme und Verfälschung ihrer Lehre bemerkt hätten.

Parallelen zwischen der biblischen Lehre und dem islamischen Glauben lassen sich eher dadurch erklären, dass die Offenbarungen der Christen und Juden im Grunde auf die gleiche Quelle wie die des Korans, nämlich auf den Einen Gott, zurückzuführen sind.

1.18) Was hat der Prophet Mohammed über Jesus gesagt?   é Zurück

Mohammed war ein Nachfolger Jesu und bezeichnete ihn als „seinen Bruder“. Als er mit Christen über Jesus sprach, betonte er stets den Sachverhalt, dass Jesus nicht Gott oder Gottes Sohn ist.

Der Prophet Mohammed berichtete, dass er in einem Traum Jesus gesehen habe und beschreibt ihn wie folgt: „Als ich nachts bei der Kaaba schlief, sah ich im Traum einen Mann mit lohfarbener Haut, so schön, wie man einen Mann mit lohfarbener Haut sehen kann. Sein gelocktes Haar fiel bis zwischen seine Schultern, vom Kopfhaar des Mannes tropfte Wasser, und er hatte seine Hände auf die Schultern zweier Männer gelegt und umschritt das Heilige Haus, und ich fragte: ‚Wer ist das? ‘.

Und sie sagten: Das ist Isa (Jesus), Sohn der Maryam (Maria)“ (überlief. bei Buhari, IV, 649 in „Der Islam und Jesus“, A. v. Denffer, München 1995, S. 43ff).

Der Prophet erklärte einmal: "Wer bezeugt, dass kein Gott da ist außer Allah, Der keinen Teilhaber hat, und dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist, und dass Isa (Jesus) der Diener Allahs und Sein Gesandter und Sein Wort ist, das Er Maryam (Maria) entboten hat und von Seinem Geist, und (bezeugt), dass das Paradies wahr ist und das Höllenfeuer wahr ist, den lässt Allah ins Paradies eingehen um dessentwillen, was er (im Diesseits) getan hat" (Buhari).

1.19) Gibt es in Heiligen Schriften anderer Religionen Hinweise auf Mohammed?   é Zurück

Der Koran erwähnt, dass in den frühen Heiligen Schriften die Ankunft des Propheten Mohammed angedeutet wird (Koran 7:157; 61:6).

So finden sich auch in der Bibel Stellen, die nach muslimischer Lesart auf die Ankunft des Propheten Mohammed Hinweise geben, wobei das Profil des Angekündigten besonders in sechs wesentlichen Elementen mit dem des Propheten Mohammed übereinstimmt: Der Linie der Propheten, seinen Eigenschaften, dem Ort seines Auftretens, der Offenbarung, die ihm gegeben wird, den Ereignissen, die sich in seiner Zeit zutragen werden und dem Zeitpunkt seines Kommens.

Zudem finden sich Prophezeiungen[18] über den Propheten Mohammed in den Schriften der Hindus wie z.B. in der Atharva Veda, einem der vier Bücher der Veden und in der persischen Zend Avesta, der Heiligen Schrift der Zoroastrier.

 



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     [1] Quelle: Cordoba Verlag

     [2]  „Vielgötterei“, ist reiligiöse Verehrung einer Vielzahl von Göttern oder Geistern

     [3]  alle in einerReligionsgemeinschaft üblichen oder geregelten Praktiken oder Rituale

     [4]  Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Glaubensvorstellungen

     [5] Nahrungsmittel, die während der Abwesentheit von der Wohnung von Personen mitgenommen wird

     [6] Einen Singvogel

     [7] jene mantale Kraft, die neue Ideen hervorbringt

     [8] Dabei wird es versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen

     [9] Abbild eines Gottes bzw. etwas, das von Menschen vergöttert wird

     [10] Ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden, um Zugriff auf ihre Arbeitskraft zu erlangen

     [11] Ist die Lösung eines Konfliktes

     [12] ein ritualisiertes Treuversprechen

     [13] Anpassung an die zweckmäßige jeweilige Situation bzw. Lage

     [14] etwas Einzelnes in seiner Gesamtheit mit allen Eigenheiten und Eigenarten

     [15] ein vollständig oder zu Teilen erfolgter Straferlass

     [16] Angehöriger einer Religion, der, oft in einem fremden Land, seinen Glauben verbreiten will

     [17] Wissenschaftler die sich je nach Ausrichtung mit vergangenen oder gegenwärtigen Sprach- und Kulturräumen befasst.

     [18] eine Voraussage von Zukunftereignissen

   
 
sp;    [18] eine Voraussage von Zukunftereignissen